Wenn meine Liebsten mich zum Wahnsinn treiben! Wie ich in 3 Schritten aus Stress und Wut aussteigen kann.

Es gibt Situationen, die mich triggern, das heißt wie durch einen Mechanismus Wut oder Stress auslösen. Meine Gedanken und Gefühle verselbständigen sich, ich laufe wie eine Aufziehpuppe durch die Welt und es fällt mir schwer, meine Reaktionen bewusst zu steuern. Oft hält mich der Mechanismus in unangenehmen Gefühlen gefangen. Was kann ich in diesem Moment tun? Wie komme ich da wieder raus, damit ich wieder die Kontrolle über mich gewinne?

Schritt 1

Der Notausstieg: Ich schalte die unangenehmen Emotionen wieder ab! Hört sich erst einmal einfach an!

Nur: Wie lege ich den Schalter um? Ich denke, das ist für jede Person unterschiedlich. Manchem reicht es vielleicht schon, einmal lang und tief zu atmen. Bei mir funktioniert das meistens nicht. Ich nutze deshalb gerne kreative Methoden, z.B. Musik. Ich vertone die Situation und meine Emotionen, etwa wie in “Ich atme tief, und dann…”  oder in “Morgenmuffeligkeit” . Wer gerne Theater spielt, kann tolle Tools entwickeln, z.B. in eine andere Rolle schlüpfen! Ich kann z.B. zu “Papa-Bär” werden. Dieser liebevolle Papa hat eine ganz tiefe Stimme und kuschelt gerne mit seinem Sohn. Mein 4-jähriger Sohn wird dann automatisch “Baby-Bär” und bekommt eine ganz hohe Stimme.

 

Handpuppen, deren Mund sich öffnen und schließen lässt, sind Gold wert, wenn mich meine Kinder triggern. Bei uns zu Hause gibt es eine Maus, die für ihr Leben gerne aufräumt. Wenn sie dabei ist, hilft mein 4-jähriger Sohn beim Spielzeug aufräumen, Staubsaugen und Betten machen. Und mir macht es nichts aus, dass es ein bisschen länger dauert. Es gibt wahrscheinlich unzählige Methoden, den Notausstieg-Schalter zu drücken. Wenn du es auch probieren willst, nutze deine Kreativität und deine persönlichen Stärken!

 

Schritt 2

Werde Beobachter der Situation und deiner Emotionen.

Spätestens, wenn Du den Notausstieg erfolgreich gefunden hast, ist es möglich, die SItuation zu reflektieren. Du kannst das Beobachten selbst auch als Notausstieg nutzen. Mir ist hier eine Kamera hilfreich. Wenn du ein Smartphone hast, perfekt. Mach ein Selfie-Video und beschreibe zuerst die Situation und den “Trigger”, dann, wie du dich fühlst, und zwar ganz genau alle körperlichen Reaktionen, z.B bei einem Streit mit Raquel: Raquel sagt: “Hier hat keiner Lust auf Sex oder intimen Kontakt! Es gibt keine Leidenschaft mehr in unserer Beziehung!”. “Das macht mich traurig.” Meine Körperreaktion: Ich mache einen betroffenen Gesichtsausdruck, ziehe die Augenbrauen nach oben und meine Schultern fallen ein Stück nach vorne. Dann kommt Ärger dazu: Ich kneife die Augen und die Lippen leicht zusammen. Jetzt möchte ich reagieren und entgegnen: “Das ist nicht wahr! Du kannst überhaupt nicht wissen, ob ich Leidenschaft empfinde, oder nicht! Du denkst immer mit dem Kopf anderer Leute!” Wenn es soweit kommt, könnten wir stundenlang diskutieren. Jeder verschanzte sich in seiner Position. Beide haben auf ihre Weise recht. Nur der Streit kommt zu keinem konstruktiven Ende. Wenn ich den Trigger, also die Bemerkung von Raquel, kenne und meine Reaktion genau beobachtet habe, ist es viel leichter die Reaktion zu beeinflussen.

 

Schritt 3

Paradoxe Intervention

Wenn ich einmal getriggert wurde, den Notausstieg gefunden habe und die Situation genau beobachtet habe, braucht das in einer ähnlichen Situation nie wieder passieren, wenn ich genau dann eingreife, z.B. paradox. Diese paradoxe Intervention funktioniert so: Ich aktiviere bewusst alle Körperreaktionen, die jetzt unbewusst ablaufen würden. Genau in der Reihenfolge, die ich in Schritt 2 beobachtet habe. Im Beispiel ziehe ich zuerst die Augenbrauen hoch, lasse dann die Schultern nach vorne fallen. Wenn dann der Ärger einsetzt, kneife ich Augen und Lippen zusammen. Alles geschieht ganz bewusst. Jetzt muss ich meinen Satz sagen. Wenn ich nicht vorher schon zu schmunzeln begonnen habe, wird das “Das ist nicht wahr!” bestimmt keinen ärgerlichen Unterton mehr haben. Voila, ich habe den Mechanismus außer Kraft gesetzt und bin wieder Herr meiner Aktionen und Reaktionen.

 

 

In der Praxis ist das nicht so einfach. Trainieren hilft natürlich, wie immer. Mit Raquel und meinen Söhnen gibt es immer wieder Situationen, die mich triggern. Jedesmal sind sie ein bisschen anders. Das Leben bleibt aufregend und lässt Raum für mehr Kreativität und Experimente. In diesem Sinn, lächelt weiter, experimentiert und seid kreativ im Umgang mit Euren Konflikten, Stress und Wutausbrüchen. Euer

 

 

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