Soll ich Kinder in diese Welt setzen?

Überall wird über das “Problem” der Überbevölkerung diskutiert. Wieviele Menschen erträgt unser Planet noch? Wie kann in Zukunft der “Hunger” all dieser Menschen gestillt werden? Täglich vernichten wir fruchtbaren Boden und produzieren mehr Abfälle, als die Natur in Jahrzehnten regenerieren bzw. abbauen kann? Welche Lebensbedingungen werden unsere Kinder vorfinden? Kann ich es vor diesem Hintergrund überhaupt verantworten, Kinder in die Welt zu setzen? Darf ich nicht, wenn überhaupt, nur Kinder adoptieren? Mit einer Frage dieser Art konfrontierte mich neulich eine gute Freundin.

Die Frage ist mehr als berechtigt. Betrachtet man die aktuelle Situation in Zahlen, müsste sofort mit “Nein” beantwortet werden. Nichtsdestotrotz rufen Raquel und ich ihr ein klares “Ja!” entgegen

 

 

Was kann ich als Eltern tun, um die Welt zu verändern?

Seit ich mich mit Raquel auf die Suche nach Auswegen aus der aktuellen Katastrophenlage gemacht haben, sind wir immer sicherer geworden, dass es für ALLES eine Lösung gibt. Und die Erfindung dieser Lösungen braucht an erster Stelle uns Menschen mit unserer Kreativität. Die wachsende Zahl an Menschen auf unserem Planeten kann zum Fluch werden, wenn alles so weiter läuft, wie es ist, oder zum Segen, wenn wir dieses Kreativitätspotential nutzen. Raquel und ich sehen uns als Eltern mit zwei kleinen Kindern in der Lage, den Segensweg maßgeblich zu bereiten.

Die dicken Bretter haben wahrscheinlich unsere Kinder zu bohren. Und dafür brauchen sie Vorbilder. Eltern, die Verantwortung übernehmen, die bewusst ihre Werte und Wünsche vertreten, und sich aktiv den nötigen Veränderungen und Herausforderungen stellen.

Aus unserer Sicht werden es die Kinder dieser Eltern sein, welche die Erfindung wichtiger Lösungen voran zu treiben. Was tun wir, um wegbereitende Eltern zu werden? In erster Linie wollen wir Vorbilder sein!

 

 

Eigene Erfahrungen und zeitgenössische Autoren haben uns Hinweise gegeben, was man als Eltern zum einen besser bleiben lässt und zum anderen wesentlich ist, um seine Qualitäten als Öko-Eltern zu stärken. Literatur, die wir hier wirklich empfehlen können ist:

Rebeca Wild – Freiheit und Grenzen – Liebe und Respekt

Jesper Juul – Dein kompetentes Kind

 

Was sollte ich besser bleiben lassen?

Erziehen! Das heißt zu versuchen, die Kinder mit Belohnung und Strafe in eine Richtung zu biegen.

Man könnte dieses Verhalten auch so beschreiben: Wir versuchen, unsere Kinder so zu verändern, dass sie möglichst ökologisch handeln. Also z.B. Strafen für Mülltrennungsvergehen oder Belohnungen für Wasser- und Energiesparen beim Duschen. Dieses Verhalten ist für Eltern verlockend. Ich habe so versucht, den Marmeladekonsum von Jordi einzuschränken. Ich wollte ihm erklären, dass der in der Marmelade enthaltene Zucker nicht gut für ihn ist. “Nein!”, protestierte er daraufhin “Das ist gut für mich, es schmeckt mir sehr gut!”. Ich habe die Situation später in folgendem Komik reflektiert.

 

 

 

Was kann ich tun?

Ich kann nicht die Veränderung von meinem Kind erzwingen. Genausowenig wie ein Kind seine Eltern verändern oder tauschen kann. Die Veränderung muss im Individuum, also meinem Kind oder auch mir selbst, stattfinden.

Heißt, das jetzt, dass ich meinem Kind alle Marmeladebrote schmieren und alle Gummibärchen kaufen muss? Ich sage ganz klar: Nein! Ich kann natürlich über mich selbst bestimmen und meinem Sohn bei der Beschaffung bestimmter Lebensmittel einfach die Unterstützung verweigern. Genauso, wie er das Recht hat, KEIN Gemüse zu essen, habe ich das Recht, KEIN Marmeladenbrot zu schmieren. Er kann sich die Hilfe dann entweder von jemand anderem holen oder er hilft sich selbst.

Ich kann auch einfach keine Marmelade mehr kaufen. Ich muss dazu sagen, dass ich ungern meine Überlegenheit bei der Beschaffung von Bargeld nutze. Kinder sind hier einfach krass benachteiligt. Vielmehr ist es so, dass ich mit Jordi gemeinsam einkaufen gehe. Wenn er dann nicht daran denkt, bestimmte Dinge in den Wagen zu legen oder einzufordern, dann gibt es die eben nicht. Ich frage einfach nicht extra nach, ob er noch Marmelade möchte. So lernt er auch, Verantwortung für seine Wünsche und Bedürfnisse zu übernehmen.

 

 

 

So weit die Theorie!

Ich ertappe mich sehr oft, wie ich wieder in das Strafe- und Belohnungsmuster zurückfalle und in vielen Situationen einfach die Geduld und die Fassung verlieren.

Deshalb glaube ich, ist es sehr wichtig, sich mit anderen Eltern austauschen zu können. Und jetzt habe ich schon wieder Lust, den nächsten Artikel zu schreiben. In dem ich erzählen möchte, wie es mir gelingt, Freiheit und Grenzen, Liebe und Respekt für meine Kinder in ein gesundes Gleichgewicht zu bringen. Bis dahin übe ich mich in Gelassenheit während ich unser Wohnmobil durch Deutschland steuere und genieße eine außergewöhnlich schöne Reise mit meiner Familie. Darüber erfahrt ihr mehr in unserem VLOG. Euer

 

 

 

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