Liebe geht durch den Magen

Wie ist das, wenn in einer Beziehung die Partner unterschiedliche Essgewohnheiten haben? Etwa Vegan und Fleischfan? Passt das zusammen? Wenn man jede Mahlzeit getrennt zubereitet und einnimmt fehlt da nicht etwas? Geht der Partnerschaft vielleicht sogar intimer Kontakt abhanden?

Bei uns fängt es in Sachen Ernährung schon bei Kleinigkeiten an. Raquel liebt Kaffee, mich hat das Getränk nie besonders angemacht. Seit uns Nachhaltigkeit in unserem Leben wichtig ist, ist auch Ernährung ein großes Thema. Sollten wir Früchte konsumieren, die um den halben Globus fahren bevor sie auf unserem Tisch landen? Und wie ist das mit Fleisch? Verbraucht das nicht viel zu viele Ressourcen, um es mit gutem Gewissen überhaupt noch verzehren zu können? Ganz zu schweigen von den Zuständen in der Massentierhaltung…

 

 

Vor etwa 3 Jahren habe ich angefangen, mich für Wildkräuter zu interessieren und sie aus dem Wald zu pflücken. Regionaler und umweltfreundlicher kann man sich wohl kaum ernähren. Natürlich kann man sich nicht nur davon ernähren! Oder doch? Laut Dr. Joachim Mutter (“Grün essen”) führen mehr als 50% grüne Rohkost zu strahlender Gesundheit. Der heilige Grahl für eine nachhaltige gesunde Ernährung war entdeckt und mein erstes Ernährungsexperiment geboren. 2 Wochen Wildkräuter in Massen, kombiniert mit Öl/Essig und Wurzelgemüse. Ab und zu auch Brot und den Hirsebrei. Früchte und Nüsse reduzierte ich, weil sie bei Untergewicht eher kontraproduktiv sein sollten. Wenn ihr mich heute seht, könnt ihr Euch vorstellen, dass das für mich ein großes Thema ist. Ich nahm trotzdem deutlich ab. Mein Thema Nr.1 war allerdings:

Ich hatte beim Essen keine Freunde mehr! Auf Parties nur selbst mitgebrachten Salat essen? Ich fühlte mich irgendwie als Außenseiter. Und auch zu Hause war die Sozialisierung beim Essen eine Herausforderung.

 

 

Raquel fühlte sich allein gelassen mit Jordi und dem Essen, das für ihn zubereitet werden sollte. Jordi weigerte sich schlicht gegen so eine radikale Ernährungsumstellung. Raquel stellte sich ständig meinen erhobenen Zeigefinger vor: “Ihr esst nicht gesund! Ihr seid nicht nachhaltig!” Außerdem schien jetzt das gesunde Gourmet-Essen, d.h. frische Wildkräuter und Gemüse für mich bestimmt zu sein.Für den Rest der Familie blieben die Abfälle, wie Nudeln, Eier oder “nicht grünes” Gemüse. Es kam zur Auseinandersetzung.

Ich ruderte einige Schritte zurück. Der soziale Aspekt beim Essen war mir zu wichtig!

Das Sprichwort “Liebe geht durch den Magen” könnte eine Erklärung sein, warum ich daraufhin mit Heißhungerattacken immer schlechter umgehen konnte.

 

 

Die Streitereien am Esstisch überwogen den intimen Kontakt in unserer Beziehung. Da musste Frustessen als Ersatz herhalten.

Beim veganen Brunch kam es zum Rückfall. Ich stopfte jede Menge veganen Kuchen und Nachtisch in mich rein. Am nächsten Tag hatte ich den flüssigsten Durchfall, den ich je hatte. Es war vorbei. Ich beschloss, wieder in jeder Situation zu essen, was mir Appetit machte und soviel ich wollte, und meine Diät langsam und sicher mit gesundem, regionalem Gemüse und Obst zu bereichern.

 

 

Ich habe viel gelernt über mich und meinen Körper. Vor allem habe ich viel über die Beziehung gelernt:

Ein radikaler Wechsel in der Ernährung kann meine Partnerschaft ziemlich durchschütteln.

Während unserer gesamten Partnerschaft haben wir so viele Mahlzeiten, wie möglich zusammen eingenommen. Komplimente über das Essen, das ich gekocht hatte, waren wie Balsam für meine Seele (oder für mein Ego?), genauso habe ich es genossen, wenn Raquel lecker für uns beide, später für uns drei, gekocht hatte.

 

 

Mir ist bewusst geworden, dass eine Ernährungsumstellung nur aufgrund meiner hohen Ansprüche an Nachhaltigkeit zu kurz greift. Auch wenn ich den Gesundheitsaspekt dazu nehme, greift die Argumentation noch zu kurz. Ich muss dazu sagen, dass ich vorher keine schwere Krankheit hatte. Der soziale Faktor spielt eine weitere wichtige Rolle. Und wenn Raquel nicht mit im Boot ist und die Veränderung mitträgt, wird es für mich extrem schwierig, die Veränderung durchzuziehen und standhaft zu bleiben.

 

 

 

Unter dem Strich: Geht Liebe durch den Magen? Das ist, denke ich, von Paar zu Paar verschieden. Ich glaube, bei uns geht sie zu einem ordentlichen Teil durch dieses Organ, das in dem Zusammenhang stellvertretend für den gesamten Verdauungstrakt steht. Ein Ort, an dem das Leben tobt und der an wichtigen Emotionen und Entscheidungen beteiligt ist. Ich habe also nach meinem ersten Ernährungsexperiment ein gutes Bauchgefühl für Raquels und meine Beziehung 🙂 Die Folgen dieses ersten Ernährungsexperiment vor einigen Jahren hat seitdem weder mich noch Raquel losgelassen. Vor gut einem Monat war ein zweites fällig, das große Folgen hatte. Darüber schreibe ich demnächst!

 

Für uns ist es sehr spannend, welche Erfahrungen andere Paare zu dem Thema gemacht haben. Teilt uns diese gerne auch in unserer Facebook-Seite mit. Mehr zu diesem Thema bald auch auf unserem Youtube-Kanal. Bis dahin, Bleibt neugierig und lächelt das Leben an!

Euer

 

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  One Reply to “Liebe geht durch den Magen”

  1. johanna forchheim
    2. Mai 2017 at 12:48

    Kennst Du “Dr. Joachim Mutter” persönlich? Was dieser Mensch schreibt steht auf dem Papier und Papier ist geduldig, aber noch lange nicht gesund!

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