Interview: Wie würdest Du deine Partnerschaft nach Geburt deines Kindes bezeichnen?

Marianne, 42 Jahre alt, lebt seit 5 Jahren in einer festen geschlossenen Partnerschaft, seit 4 Jahren in einer Gemeinschaft. Mit ihrem Partner Winfried, 51 Jahre, hat sie seit 3 Jahren einen Sohn.

Raquel hat sie interviewt und gefragt, wie die Veränderungen in ihrem Leben, Die Geburt ihres Kindes und das Leben in Gemeinschaft, ihre Partnerschaft beeinflusst haben.

 

Raquel: Wie würdest Du deine Partnerschaft nach Geburt deines Sohnes bezeichnen?

Marianne: Katastrophal! Es kamen zu dieser Zeit so viele Dinge zusammen: Ich war alleine in der Gemeinschaft, Winfried arbeitet 200 km entfernt und war selten bei mir, ich baute gleichzeitig meine Wohnung aus und versuchte, in meinem Beruf wieder Fuß zu fassen und mir ein Büro einzurichten. Das war alles zu viel.

Raquel: Was hat dich in deiner Beziehung am meisten belastet?

Marianne: Ich habe mich von Winfried nicht verstanden gefühlt. Es ging mir schon in der Schwangerschaft nicht gut. Ich musste sogar ins Krankenhaus wegen Verdacht auf eine Frühgeburt und habe ab der 32. Woche nur noch gelegen. In dieser Situation ist er zwar in meine Gemeinschaft umgezogen, dennoch konnte er nicht verstehen, dass ich in dieser Zeit viel Unterstützung brauchte.

Raquel: Wie war euer sexuelles Verhältnis in dieser Zeit?

Ich habe mich von Winfried nicht verstanden gefühlt.

Marianne: Wir haben seit der Schwangerschaft keinen Sex mehr. Wir wollten keine Kinder. Ich war 38 als ich schwanger wurde, Winfried 9 Jahre älter, er hat keine Kinder. Ich glaube, Kinder haben ist was für junge Leute. Wir waren schon zu alt zum Kinder kriegen. Winfried sagte mir in der Schwangerschaft ganz deutlich: „Du bist nicht attraktiv!“ Ich hatte in der Schwangerschaft 25 Kilo zugenommen. Dazu kamen die Schmerzen und nach der Geburt das Baby, das meine Aufmerksamkeit verlangte, außerdem unterschiedliche Vorstellung über den Umgang mit dem Kind. Ich habe heute noch manchmal das Gefühl, dass Winfried zu viel von ihm verlangt. Ich selbst bin vielleicht manchmal zu vorsichtig und ängstlich. Wir haben viel gestritten.

Raquel: Marianne, warum haben wir nicht früher miteinander gesprochen. Was du erzählst, bewegt bestimmt viele Frauen. Gab es in der Gemeinschaft Menschen, von denen du dich verstanden fühltest?

Marianne: Ja, es gab einige Menschen, denen ich mich anvertraut habe und die mich verstanden haben. Das hat mir leider für meine Partnerschaft nicht viel genutzt. Ich wünschte mir das Verständnis von meinem Partner. 2 Jahre nach der Geburt unseres Sohnes haben wir dann ein erstes Mediationsgespräch mit einer Freundin aus der Gemeinschaft geführt. Danach ging es ein bisschen besser. Wir haben das noch mal wiederholt. Wir streiten jetzt weniger. Ich habe allerdings das Gefühl, dass ich mehr an der Beziehung arbeite als er. Anfangs habe ich ihm das noch vorgeworfen. Jetzt tue ich das nicht mehr.

Wir haben seit der Schwangerschaft keinen Sex mehr.

Raquel: vermisst Du nicht den Sex?

Marianne: Ich hatte viel Sex in meinem Leben. Ich habe das Gefühl, ich habe schon vorgearbeitet. Ich hatte schon einmal einen Partner, mit dem ich keinen Sex hatte. Damals, weil er nicht konnte. Ich hatte auch nie länger als 2 Jahre Sex mit demselben Partner, weil meine Beziehungen nie so lange gedauert haben.

„Du bist nicht attraktiv!“ Ich hatte in der Schwangerschaft 25 Kilo zugenommen. Dazu kamen die Schmerzen und nach der Geburt das Baby, das meine Aufmerksamkeit verlangte, außerdem unterschiedliche Vorstellung über den Umgang mit dem Kind.

Raquel: Und Sex außerhalb der Beziehung oder eine Öffnung der Partnerschaft kommt für Dich nicht in Frage?

Marianne: Nein, ich möchte die Beziehung nicht öffnen. Ich glaube, dafür braucht es eine gute Grundlage in der Beziehung und die haben wir nicht. Manchmal kommen Männer in die Gemeinschaft, die ich sexuell attraktiv finde. Ich überlege mir dann schon, wie es mit dem ein oder anderen wäre, Sex zu haben. Und dann schaue ich mir den 2 Wochen an und denke mir dann: „Nee doch nicht! Wozu der ganze Stress, sich jetzt wieder auf eine neue Person einzulassen?“ W. ist außerdem ein zuverlässiger Partner, schafft Geld ran und entlastet mich, indem er Zeit mit unserem Sohn verbringt. Außerdem ist er ein spiritueller Mensch, was ich sehr schätze. Ich wünsche mir zwar, dass er das auch mehr lebt… aber ich bleibe lieber mit ihm zusammen. Da weiß ich, was ich habe. Die Schwierigkeiten einer Beziehung werden sich mit einer neuen Partnerschaft nicht auflösen.

Raquel: Trennung war für Euch nie ein Thema?

Marianne: Vor einem Jahr hätten wir uns fast getrennt, weil das Streiten uns so belastet hat. Allerdings ist für uns beide klar, dass uns durch eine Trennung noch mehr Probleme entstehen würden. Ich sehe mich nicht als Alleinerziehende Mutter. Das wäre mir zu viel. Und er würde seinen Sohn viel seltener sehen als jetzt. Nein, eine Trennung wollen wir beide nicht.

Raquel: Siehst Du eine Möglichkeit, den Graben, der sich zwischen dir und deinem Partner aufgetan hat, zu überwinden?

Marianne: Wir haben einfach kein WE nur für uns. Immer ist das Kind dabei!

Raquel: Gibt es keine Großeltern?

Marianne: Seine Eltern können nicht auf das Kind aufpassen. Seine Mutter kann ich vielleicht eine Stunde mit dem kleinen allein lassen, aber ein ganzes Wochenende, das wäre viel zu viel für sie. Sie ist zu alt. Meinen Eltern würde ich das schon zutrauen. Aber sie wohnen zu weit weg. Sie haben mich hier noch nie besucht. Und hinfahren und ein Wochenende mit meinen Eltern zu verbringen, kann ich mir auch nicht vorstellen. Da würde ich wieder mit meinem Vater streiten…

Raquel: Könntest Du nicht in der Gemeinschaft einen Babysitter organisieren.

Marianne: Das wäre vielleicht möglich, andere Mütter tauschen sich auch aus und lassen ihr Kind mal bei Nachbarn übernachten. Aber ich weiß nicht, ob ich das könnte…

Raquel: Ihr wohnt in 2 getrennten Bauwagen. Könntet ihr Euch nicht gegenseitig nachts besuchen, während euer Sohn in dem anderen Bauwagen schläft?

Marianne: Nein! Ich möchte nicht die ganze Nacht mit Babyphon schlafen. Das ist mir zu stressig. Der Kleine hat ein Zimmer im Bauwagen von Winfried. Und dort möchte ich nicht schlafen. Die Matratze ist nicht gut. Da bekomme ich Rückenschmerzen.

Raquel: Ich bin immer sehr direkt. Deshalb frage ich jetzt: Kann es sein, dass Du nach Ausreden suchst, um den sexuellen Kontakt mit deinem Partner zu vermeiden?

Marianne: Das ist gut möglich. Wir sind schon so lange und so weit voneinander entfernt, dass wir die Kurve nicht kriegen. Ich kenne das auch nicht, so lange keinen Sex zu haben, weil meine ehemaligen Beziehungen immer kürzer waren. Ich habe keine richtige Motivation, die Kurve noch mal zu kriegen. Als ich sehr jung war, ist meine große Liebe mir fremd gegangen. Er hat mir vorgeworfen, dass ich zu langweilig sei. Dann habe ich das geändert und zu einer, wie ich glaube, sehr guten Liebhaberin geworden. Allerdings bin ich im Alter wieder prüder geworden.

Raquel: Liegt das vielleicht daran, dass Du im Sex immer das gemacht hast, was die Männer wollten oder von dem Du dachtest, dass sie es wollten?

Marianne: Das kann gut sein. Ich wollte mal ein Buch schreiben über die sexuallen Wünsche von Frauen. Ich habe viele Bekannte und Freundinnen gefragt. Allerdings hat nur eine geantwortet und mich an ihren sexuellen Wünschen teilhaben lassen.

Wir sind schon so lange und so weit voneinander entfernt, dass wir die Kurve nicht kriegen.

Raquel: Was für eine schöne Idee. Wirst Du dieses Buch noch veröffentlichen?

Marianne: Nein. Jetzt habe ich dafür keine Energie mehr.

Raquel: Tia, muchas gracias für das Interview. Wir werden deine Erfahrungen weitergeben. Bestimmt gibt es viele Frauen, denen es ähnlich geht, wie dir und die davon in der ein oder anderen Weise profitieren können.

 

 

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