7 Tipps, wie Mann die Sex-Pause nach der Geburt beenden kann

Vater werden ist nicht schwer – Partner bleiben um so mehr! Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Veränderung, die mit der Schwangerschaft und der Geburt eines Kindes eintritt, Leidenschaft, Sex und Intimität in der Partnerschaft ganz schön durcheinander bringen kann. Von Euphorie bis Frustration wurde ich bereits mit allen möglichen Emotionen konfrontiert. Und der Lernprozess, der dadurch angestoßen wurde, ist noch lange nicht vorbei. Vieles war zunächst schwer zu verdauen und die Konflikte zwischen Raquel und mir fordern viel Geduld, Stärke, und Mut. Wenn ich bereit bin, in einer Krise meinen vollen Einsatz zu bringen, fühle ich mich später umso stärker und werde ich reich belohnt. Das Abenteuer Partnerschaft mit Kind ist eines der spannendsten in meinem Leben und definitiv eine Revolution für mein persönliches Wachstum.

 

Vater werden ist nicht schwer – Partner bleiben um so mehr!

Als Raquel zum ersten mal schwanger wurde, war das Glück perfekt. Wir hatten uns schon Monate vorher ein Kind gewünscht und am Tag vor unserer Hochzeit war klar: Es hat funktioniert! An diesem Tag war ich noch im Stress und den Ereignissen der Hochzeitsfeier in Spanien gefangen. Ich war unfähig, meine Gefühle nicht richtig auszuleben und zu zeigen. Erst später, als Raquel mir das erste Ultraschallbild schickte, war Wolke 7 angesagt. Ich freute mich riesig auf die 3samkeit. Jeden Morgen gab es eine Bauchmassage mit Öl. Körperkontakt und Zärtlichkeit beflügelten unsere Leidenschaft. Auch der wachsende Bauch kein Hindernis beim Sex. Der Höhepunkt dieser Entwicklung war die Geburt unseres ersten Sohnes. Wir atmeten zusammen, wir stöhnten gemeinsam, wir weinten und litten gemeinsam und hielten nach einer Nacht ohne Schlaf und viel Adrenalin gemeinsam unseren ersten Sohn in den Armen. Uns war klar: Diese Nacht hatte uns zusammengeschweißt. Was sollte uns jemals trennen können?

 

 

Doch nach der Geburt änderte sich die Situation sehr schnell. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich glaube, viele junge Väter erleben die sexuelle Beziehung zu ihrer Partnerin nach der Geburt des ersten Kindes im freien Fall und haben auch mit folgenden Themen zu kämpfen:

      • Im Sex mit der Partnerin läuft (fast) nichts mehr.

Sie hat nicht mehr so viel Lust und beschwert sich über Schmerzen, z. B. nach einem Dammriss oder –schnitt. Sowieso ist der Beckenboden gedehnt, die Vagina wird nicht mehr richtig feucht, es gelangt Luft in die Vagina und sie ‘furzt’ beim Koitus

      • Aufmerksamkeit und Zärtlichkeiten gelten mehr dem Kind als dem Partner oder der Partnerin.

Ob das allein an den Hormonen liegt, die beim Stillen ausgeschüttet werden? Auch Raquel hat sich beschwert, dass die Bauchmassagen sich in Streicheleinheiten für unseren Sohn gewandelt haben.

      • ‘Mann’ fühlt sich wie das dritte Rad am Wagen.

Welche Rolle spielt ein Vater für ein neugeborenes Kind? Er kann nicht stillen und ist dadurch bei den wichtigsten Bedürfnissen eines Säugling scheinbar außen vor: Nahrung, Liebe und Nähe werden in ersten Linie mit der Mutter ausgetauscht. Das führt zum Rückzug in die Bereiche der klassischen Nahrungsbeschaffung, d.h. Arbeiten und Einkaufen, sowie „technische“ Familienaufgaben: Wickeln, Essen zubereiten, Rasen mähen, etc…

Sich dann als Mann nicht emotional aus der Partnerschaft und aus der Vaterschaft zurückzuziehen ist eine Herausforderung. Ich habe diesen Prozess gar nicht bemerkt. Es hat sich still und heimlich entwickelt.

Wahrscheinlich heißt es dann irgendwann: „Das Feuer der Liebe ist erloschen“, „wir sind nur noch wie Geschwister“ oder klar und direkt (nach Raquels Art): „Hier hat keiner mehr Lust auf Sex!“

Mir fiel es wie Schuppen von den Augen, als ich mich zu einer anderen Frau hingezogen fühlte. Unser Sohn war gerade 4 Monate alt. Wie kam ich emotional dann wieder in Kontakt zu meiner Partnerin?

 

Bild von Aaron Bertomeu #d90a100        Workshop Tantra Mónica y Marc – La pareja consciente

 

1. Probier mal was Neues!

Die Schmerzen der Frau im Vaginalbereich sind nichts als eine Ausrede, keinen Sex zu haben. Gerade jetzt ist eine gute Möglichkeit, neue erogene Zonen auszuprobieren. Bei uns stehen  gerade Fußmassagen, gemeinsame Entspannungsbäder oder Exkursionen in die wilde Natur oben auf der Liste der Neuentdeckungen für unser Sexleben.

2. Gefühle zulassen und ihnen Raum geben!

Die eigenen Gefühle zu entdecken ist schon eine Herausforderung. Mir gelingt es manchmal mit Musik. In meinen Lieder verarbeite ich alle Art Gefühle. Ich gebe zu, dass Frust, Angst und Wut, die sich aus Konflikten mit Raquel ergeben, für mich besonders schwer zu verdauen sind. Deshalb gibt es zu diesen Themen nicht besonders viele Lieder in meinem Repertoire. Deshalb…

3. Signale erkennen!

Frag dich öfter mal, ob du dich vielleicht hinter Aufgaben oder Arbeit versteckst? Machst Du gerne „Urlaub im Büro?“ Ich war in den ersten 5 Lebensmonaten meines Sohnes ohne Erwerbsarbeit. Trotzdem suchte ich mir Tätigkeiten außer Haus. An die Stelle der Erwerbsarbeit traten ehrenamtliche Tätigkeiten im Urban Garden, Gemeinwohl-Ökonomie und Transition Town. Ich konnte dadurch erst einmal dem stressigen und konfliktgeladenen Familienleben entfliehen. Kann ein Partner, der die Abwesenheit von der Familie genießt, ein leidenschaftlicher Liebhaber sein?

4. Sexuelle Attraktion zu anderen Frauen ernst nehmen und offen legen!

Das hat aus meiner Sicht langfristig meine Partnerschaft gerettet. Ich habe die Gefühle zu der anderen Frau nicht bagatellisiert und verheimlicht, sondern mit Raquel darüber gesprochen. Ich habe viel Streit dadurch geerntet und einen enormen Wachstumsprozess angestoßen, der bis heute anhält und unsere Leidenschaft und Intimität wach hält. Ich will hier Mut machen, kompromisslos offen und ehrlich mit deiner Partnerin zu sein, auch wenn das erst mal tiefe Wunden aufreißt.

5. Sprich mit anderen Vätern!

Ich glaube, Männerkreise sind (noch) ziemlich verpönt. Im Kreis sitzen und über Gefühle sprechen ist traditionell schwierig für das männliche Geschlecht, glaube ich. Mir hat es oft geholfen, Erfahrungen mit anderen Männern und Vätern auszutauschen. Allein die Gewissheit, dass man nicht der einzige auf dieser Welt ist, der solche Sorgen und Probleme hat, beruhigt mich ungemein.

6. Zeig dein Interesse für die Gefühle deiner Partnerin!

Frag öfter mal nach, wie sich deine Partnerin fühlt, und was sich aus ihrer Sicht in eurer (sexuellen) Beziehung verändert hat? Auch für sie ist die Situation neu und sie muss, genau wie du, mit der Situation erst einmal umzugehen lernen. Fragen helfen, sich dessen bewusst zu werden. Ich habe das Glück, dass Raquel sehr feinfühlig und neugierig ist. Sie mich oft gefragt und konnte sich sogar in meine Situation einfühlen, als ich mich zu der anderen Frau hingezogen fühlte. Am besten bittest Das ist eine hohe Kunst, die auch für spezielle Situationen manchmal Jahre braucht.

7. Empathisch zuhören!

Den Satz „Hier hat keiner Lust auf Sex!“ verstand ich viele Jahre wie „Du bist ein schlechter Liebhaber und schaffst es nicht, mir zu zeigen, dass du mich begehrst.“ Dass er genauso gut bedeuten kann „Ich habe Lust auf intimen Kontakt mit dir, umarme mich, berühre mich!“, ist mir erst nach Jahren aufgegangen. Durch diese kleine Änderung bei mir, ist der erste Schritt im Sex jetzt viel leichter

 

Die Leidenschaft und der Sex mit deiner Partnerin hören nicht nach der Schwangerschaft auf. Sie fängt erst an. Es ist Zeit, sie neu zu entdecken! Euer

 

 

Bild von Aaron Bertomeu #d90a100        Workshop Tantra Mónica y Marc – La pareja consciente

 

Für das Jahr 2018 haben wir große Pläne: Wir wollen nicht nur unsere eigene Paarbeziehung auf das nächste Level bringen, wir wollen auch unsere Erfahrungen, Methoden, Tricks und Tipps für Euch und Alle Paare da draußen verfügbar machen. Deshalb findest Du ab Januar 2018 pro Monat jeweils ein Webinar zu einem heißen Thema aus Partnerschaft und Paarbeziehung eklusiv auf unserer Webseite. Die aktuellen Informationen dazu bekommst Du natürlich auch über unseren Newsletter, aber auch  in unsere Facebook-Gruppe “Leidenschaftliche Liebespaare in Zeiten der Elternschaft”, wo Ihr mit uns und anderen Paaren Erfahrungen austauschen könnt. HIER kannst du der Gruppe beitreten um Teil unserer Community zu sein 😉

 

  5 Replies to “7 Tipps, wie Mann die Sex-Pause nach der Geburt beenden kann”

  1. Karina
    19. Dezember 2017 at 16:13

    Ich finde den Artikel in Teilen ziemlich krass. Nicht erfrischend oder offen, sondern für manche Frauen verletzend. Er zeugt von einer gewissen Anspruchshaltung. Gerade wenn es bei der Geburt zu traumatischen Erfahrungen oder zu Dammverletzungen kam, sind 4 Monate fast nichts. Die seelische Heilung braucht manchmal sehr viel länger. Manche Frauen können nach so einer Geburt gar keine Berührungen ertragen. Wenn sich der Mann bereits nach 4 Monaten beginnt, für andere Frauen zu interessieren, ist das sicherlich nichts, was eine junge Mutter freut oder wofür sie die Kraft hat, sich damit auseinander zu setzen. Wie wäre es, wenn sie beide Partner dazu äußern und auch mehr Frauen darüber berichten, wie es ihnen mit Sex bzw. ihrem Wunsch danach, nach der Geburt ergangen ist, was sie mochten und was nicht. Spannend wäre es, dann zu lesen, wie der Partner damit umgegangen ist bzw. das Paar.

    • 19. Dezember 2017 at 23:20

      Liebe Karina, Vielen Dank für deinen Kommentar. Ich finde es auch spannend, zu genau dieser Frage auch Raquel zu hören und wie sie mit der Situation und ihren Gefühlen umgegangen ist. Das werden wir hoffentlich bald mit einem Video nachholen. Mich interessiert noch, wo du in dem Artikel eine Anspruchshaltung herauslesen konntest? In dem Fall, den Du erwähnst, in dem die Frau “gar keine Berührungen ertragen” kann, ist es aus meiner Sicht auf jeden Fall geboten, einen Coach oder Therapeuten hizuzuziehen. Denn in dann hat irgendwo in der Schwangerschaft oder bei der Geburt auch eine seelische Verletzung statt gefunden oder eine alte Seelen-Wunde ist aufgerissen.

    • Raquel Jovani-Abril
      22. Dezember 2017 at 01:22

      Hola Karina! Wir werden beide über unsere Geschichte weiter erzählen. Wie du schon dir vorgestellt hast, was es uns damals passiert, war (für mich gefühlt) einfach krass….und gleichzeitig unsere Realität. Nicht etwas dass ich oder Daniel bewusst gewählt hatten. Ich bin gleichzeitig sehr dankbar an was wir erlebt haben, weil uns intensiver als Paar und als Individuum kennen gelernt haben. Weil ich viele +/- ähnliche Geschichten kenne… möchte ich unsere weiter teilen damit andere Paaren ihren Weg zusammen nach der Krise gestärkt wieder finden. Daniel ist provokativ mit seinem Sätzen…mit Absicht! Ich verstecke mich oft hinter Ausreden (sogar mir selbst im Kopf) warum wir nicht Sex machen können. Meistens was dahinten steht ist etwas tiefer, dass ich nicht sehen möchte. Wenn mir jemanden provoziert und da angucke, auf einmal finde ich den wirklichen Grund und die Heilung… und dann das Kontakt mit meinem Partner. Sex fängt für mich schon an wenn ich so nah an meinem Partner bin, dass ich ihn für eine Zeit lang in Ruhe einfach riechen kann. Wenn ich das Geruch meinem Partner nicht ertragen kann…dann etwas passiert zwischen uns. An besten genau hin gehen und spüren was da ist.

  2. Anne Jandt
    19. Dezember 2017 at 15:42

    Danke für deinen Artikel! Es ist schön, das auch Männer anfangen darüber zu reden und sich aktiv auszutauschen!

    Mein Feedback zu deinem Satz:
    “Die Schmerzen der Frau im Vaginalbereich sind nichts als eine Ausrede, keinen Sex zu haben.”

    Ich glaube, du meinst das “Richtige”. Aber so geschrieben empfinde ich es als Frau als sehr respektlos.

    Schmerzen nach einer Geburt bei Sex, besonders nach vaginalen Verletzungen, sind real und eine absolute Hemmschwelle.

    Ich vermute, du willst sagen “Leidenschaft muss nicht Sex sein” oder “Sex ist mehr als nur Geschlechtsverkehr”. Aber was da steht ist so leider unvollständig.

    Liebe Grüße!

    • 19. Dezember 2017 at 23:41

      Liebe Anne, Danke für den Beifall! Wenn ich den Satz so allein da stehen sehe, erschrecke ich mich auch 😉 Mein erster Impuls war die Frage :” Das habe ich wirklich geschrieben?” Im Kontext hast Du mich bestimmt dann auch richtig verstanden. Wir beschränken das Wort Sex oft auf den “Koitus” Ich meine hier damit viel mehr. Ich fordere ja auch gleich im Anschluss an den Satz dazu auf, andere erogene Zonen auszuprobieren. Du hast das sehr schön formuliert: “Leidenschaft muss nicht Sex sein”, also muss nicht Koitus sein. Es gibt so viele Momente, in denen man die Schönheit der Zweisamkeit, Zuneigung zueinander und der Leidenschaft entdecken kann. Und der Artikel ist ja in erster Linie an Männer gerichtet. Ich glaube, viele Männer glauben zu wissen, dass die Frau nach der Geburt wegen z.B. vaginaler Verletzungen nicht angefasst werden will, ziehen sich zurück, vermeiden den intimen Kontakt und versuchen, die Situation auszusitzen. So ging es mir. Gerade das Zurückziehen ist Gift für die Beziehung, glaube ich. Mit “nichts als Ausrede” meine ich die Ausrede für den Rückzug Männer.

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